HASUMSI: So, Sandra. Herzlichen Glückwunsch. Da hast ja letzte Woche einen rausgehauen über 50 Kilometer. Erster Start bei einer Meisterschaft und dann gleich mal das Altersklassen-Treppchen geschafft.

Sandra: Hey, Hasumsi. Danke – alles relativ … so möchte ich das dennoch beim besten Willen nicht formulieren. Klar; wie sagt man so schön: “Jede Medaille ist „Earned, Not Given“, aber ich bin mir durchaus bewusst, dass es nur dazu gekommen ist, weil zwei deutlich stärkere Läuferinnen das Rennen leider vorzeitig beenden mussten. Ein paar weitere, gemeldete Konkurrentinnen sind erst gar nicht gestartet.

HASUMSI: Aha, Earned, not given! So sagt man also. Interessant. Aber ja: „Hätte-Hätte-Fahrradkette“. Man muss sich hinstellen und dann das Ding durchlaufen – that’s part of the game. Krafteinteilung und Ressourcen-Haushalt ist bei Langstrecken ja ein Riesenthema. Plaudere da doch mal aus dem Nähkästchen. Wie hast du das gemacht?

Sandra: Oh weh Hasumsi, ich bin ein langweiliger Gesprächspartner, ich muss Dich vorwarnen. Denn auch hier kann ich leider kaum Tipps geben, das muss jeder individuell und mit seinem Körper selbst ausmachen. Wichtig ist auf jeden Fall, ausreichend zu trinken. Nur so bleibt der Stoffwechsel aktiv und versorgt die Muskeln entsprechend. Und eben die Energiezufuhr – da muss man im Training üben und austesten, was man am besten verträgt.

Ich habe nach jeder Runde (5Kilometer) einen großen Schluck Maurten (keine Werbung!) aus meinen Eigenverpflegungs-Flaschen getrunken. Das ist ein Kohlenhydrat-Getränk, welches ich gut vertrage. Etwa bei der Hälfte hatte ich hitzebedingt ein wenig mit dem Kreislauf zu kämpfen. Da habe ich jeweils auch immer noch einen Schluck Cola (auch keine Werbung!) dazu getrunken. Vor den letzten 10 Kilometern habe ich mir eine Salztablette reichen lassen und diese mit ausreichend Wasser runtergespült.

HASUMSI: Stimmt, du bist echt langweilig. Dann würzen wir mal die Fragen ein wenig … Wieso die Deutsche Meisterschaft über 50 Kilometer? Bist Du auf einem Höhenflug?

Sandra: Haha, ja könnte man meinen, ich behaupte dennoch das Gegenteil. Eigentlich wollte ich ja einmal im Leben einen schnellen Marathon laufen, sprich mich ordentlich drauf vorbereiten und dann „all out“ laufen. Das hat aber nie geklappt, beziehungsweise habe ich gemerkt, dass mich das Training mehr stresst, als es mir Freude bereitet. Letztendlich ist das Laufen für mich eine Bereicherung und das soll es auch immer bleiben. Familie und meinen „Job gut machen“ sind immer noch oberste Prio und das wird auch so bleiben. 😉

… genau. Zurück zum Thema. Wie war nochmal die Frage…

HASUMSI: Ähm…. Wieso Deutsche Meisterschaft, Höhenflug und so …?

Sandra: Ach ja, sorry! Kurz und knapp: Ich habe einen „langen Lauf“ in meiner Nähe gesucht und mich dann angemeldet. Das „Deutsche Meisterschaft“ hat mich unberührt gelassen, da ich ja keinen DLV Startpass habe. So war es als normaler Wettkampf für mich angedacht. Erst viel später habe ich erfahren, dass man für Meisterschaften im Rahmen der Deutschen Ultra Vereinigung keinen solchen Startpass benötigt und ich mich somit für die Meisterschaft gemeldet hatte.

 

HASUMSI: Wo ist der Facepalm-Smiley …?  Hahaha. Naja, durchgezogen. War es eigentlich einfach nur anstrengend, oder gab es auch schöne Momente? Wie kann man sich das vorstellen?

Sandra: Ehrlich gesagt habe ich verdammt viel gelacht und vor allem auf den ersten 20 Kilometern zu viel gequasseln. Mein Laufpartner Ernesto hat mich ja begleitet und zu zweit ist ja bekanntlich alles einfacher, gemeinsames Leid und so.

Außerdem hat Erni einen einzigartigen Humor. So unter uns Läufern: Körpergeräusche beim weiteren Strecken gehören ja dazu – der gelverklebte Magen will sich Luft machen … Und als uns jemand „lautstark“ überholte meinte Ernesto nur ganz trocken:

“Schau, wir sind in Ebershausen – da wo die großen Fürze brausen.”

Ich hätte mich beinahe verschluckt vor Lachen.

Oder, als ich nach dem Rennen über dem Zaun hing und scheinbar einen guten Einblick in mein Dekolleté preisgab. „Sandra, eines sei Dir jetzt gesagt: Schönheit ist vergänglich- selbst die schönste Brust wird irgendwann einmal länglich.“ Darüber kann man selbst nach 50 Kilometern noch lachen.

Haha, oder wenn man im Vereinsheim duscht und dann feststellt, dass die Duschräumlichkeiten „gemischt“ sind, es aber niemanden interessiert, weil alle einfach zu fertig sein.

…Wenn man sich nach dem Lauf austauscht, umarmt, beglückwünscht.

Das Leiden, wenn man eine Treppe sieht – die verständnisvollen Blicke untereinander wenn man sich am Geländer die Stufen hoch oder runter hangelt … das alles ist einzigartig und doch bei jedem Lauf gleich – und einfach wunderschön!

Ja, es ist schwer in Worte zu fassen, aber Ultraläufe und besonders auch Ultraläufer haben ihren ganz eigenen Charm. Im Nachhinein kann ich sagen: Die 50k im Kreis waren echt geil!

HASUMSI: Ebershausen, da wo die großen…?!?!  Na gut, belassen wir es dabei. Sag, warst Du aufgeregt? Was war anders zu, sagen wir, einem normalen Marathon…?

Sandra: Ein wenig aufgeregt war ich schon. Also um ehrlich zu sein hatte ich Bedenken mit viel Abstand Letzte zu werden … was parse ja nicht schlimm wäre aber… ihr wisst schon.

Anders war, bis auf das generelle Kopfhörerverbot bei Meisterschaften, aber nichts.

HASUMSI: Whhhhhhaaaaaaaaaaaassssss? Keine Musik beim Laufen?

Sandra: Nein, keine Musik beim Laufen.

HASUMSI: War Dir da denn nicht langweilig auf einer fünf Kilometerrunde, welche 10 Mal absolviert werden musste?

Sandra: Die Bedenken hatte ich auch, aber ich habe mich tatsächlich auf mich und den Lauf konzentriert. Und ab der 5. Runde noch auf meinen Kreislauf… haha, beim im Kreis laufen.

HASUMSI: Owei, nun versucht Sie lustig zu werden. Wir sollten das Interview an dieser Stelle beenden denke ich. Danke auf jeden Fall, und gut erholen – gell?!

Apropos: Zum Ende bitte noch einen Regenerationstipp!

Sandra: Na vielen Dank auch, ich fand das Wortspiel ja gar nicht so schlecht. Mein Regenrationstipp: Eiweiß. Im Idealfall Quark mit ein bissl Obst, Nüssen und Salz. Das hat man nur leider im seltenen Fall beim Wettkampf dabei. Daher entweder ein Eiweiß Shake (Pre-Mixed) oder ein Jogurt (skyr ist zum Beispiel sehr eiweißhaltig) aus der Sporttasche zaubern. Außerdem ausreichend trinken und ausruhen 🙂

HASUMSI: Fein! Ich lass Dich jetzt in Ruhe – iss nen Jog(h)urt. Und bald reden wir über’s Reisen, ja?!

Sandra: Sehr gerne. Der nächste (Lauf-)Urlaub steht eh bald an

HASUMSI: Ok, doch noch nicht zu Ende hier – Wo geht es hin?

Sandra: Georgien.