Wo habe ich doch gleich aufgehört letzte Woche? Ach ja, mit der Anreise zum Gardasee und meiner unbändigen Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende. Nun gut; es war schön, soviel sei vornweg gesagt. Eben den Umständen entsprechend schön, also ein „ganz anders als geplant aber machen wir das Beste draus“ -Schön.

Freitag, 23.März

Sebastian, der bereits seit Montag mit seiner Laufcampgruppe im Hotel war, holte Marina und mich in Rovereto am Bahnhof hab. Schon auf den ersten Blick „gefiel er mir nicht“, und nein das meine ich nicht wortwörtlich, sondern sinnbildlich. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen kam er zu uns hinüber geschlurft und meinte mit belegter Kratzbürst-Stimme: Schön, dass ihr da seid.

Obwohl ich bereits seit 12 Jahren in München lebe, so war es für mich tatsächlich das erste Mal am Gardasee – unvorstellbar oder?

Entsprechend kam ich bei der ersten Laufeinheit am Nachmittag auch kaum aus dem Staunen heraus und stellte mir und meinem Umfeld andauernd die Frage, warum ich zuvor noch nicht hier gewesen sei. Berge und Wasser – das ist schließlich meine Kombi!! 😀

…ach ja, und gutes Essen- das mag ich auch. Und Wein. Hach.

Wisst ihr wie es ist, wenn man Erwartungen hegt und eine bestimmte Vorstellung von etwas hat? Ja, sicher wisst ihr das.

Nun, ich hatte eben eine bestimmte Vorstellung des Italienwochenendes in meinem Kopf. In dieser Vorstellung waren alle happy und gesund und das ganze Wochenende strotzte nur so vor Quality Time mit Marina, Sebastian und Freunden.

In der Realität ging es Sebastian von Stunde zu Stunde schlechter bis er mich schließlich nachts um eins weckte um mir zu sagen, dass er ins Krankenhaus in die Notaufnahme fahre.

Zwei Stunden später kam er wieder; mit einer diagnostizierten Mandelentzündung und einem Riss im Trommelfell. Das Antibiotika streckte er mir wie den heiligen Gral entgegen…

 

Samstag, 24. März

Bevor ihr fragt: Sebastian hat diesen Tag quasi komplett „übersprungen“ und

durchgeschlafen. Auf dem Plan der Gruppe stand ein „Kenianischer Dauerlauf“. So nennt man eine Fahrtspielvariation in der man sich locker einläuft und dann umdreht und dieselbe Strecke im Wechsel 1Minute schnell, eine Minute langsam, zurücklegt. Marina begleitete die Gruppe mit dem Radl, ich laufender Weise. Wie im Flug vergingen die knappen 12 Kilometer bei wunderbaren Laufwetter.

 

Mittags aßen wir Pizza, nachmittags Eis -La Dolce Vita Lifestyle. Die Stunde zwischen Eis- und Abendessen beauftragte ich Marina neben dem italienischen Kinderfernsehen auch ein Auge auf den komatisierten Sebastian zu haben und ging noch einmal für 40 Minuten laufen.

Nicht, weil ich nicht ausgelastet war oder meinte Kalorien verbrennen zu müssen, nein irgendwie war ich enttäuscht, zumindest ein wenig. Auch wenn es komplett irrational war.

Aber: Laufen hilft. Und zumindest wurde Sebastian für einen Moment wach als ich zurück ins Hotelzimmer kam. Marina hingegen schlief tief und fest…

 

Sonntag, 25. März

…Marina schlief immer noch und war für den Morgenlauf um 8 Uhr nicht wach zu bekommen. Mehr gibt es eigentlich auch gar nicht zu berichten. Oder? Nein, außer: Rückreisetag! Byebye schöner Gardasee, ich komme wieder!

 

 

Montag, 26. März

Back to Reality: Pietro-Lauf-Tag. Sprich, ein Tempodauerlauf an der anaeroben Schwelle.

(Note-To-Myself: Never check the Kantinenspeiseplan when having a Lunch-Run-Date set!)

Punkt 12:15 Uhr laufen wir beide am Treffpunkt ein.

“Heute wieder ein paar Sekunden schneller auf den Kilometer“, sagt er zur Begrüßung, lächelt, und läuft auch schon los. Keine Zeit für Einwände oder gar Widersprüche. Ich hetze ihm hinterher. Vorbei an den skeptischen

Blicken der Passanten, am Chinesischen Turm hinein in den Nordteil des Englischen Gartens.

„Pace halten, wir sind gut. Also Du bist gut, ich bin 120 Puls“ höre ich von schräg vor mir. Meine Uhr zeigt einen 4:40iger Schnitt an, bereits recht durchgängig seit 15 Kilometern. Ich versuche nicht zu denken, denn Gedanken während der Sauerstoffarmut im Hirn sind komisch…

Irgendwann passieren wir die Eisbachwelle. Pietro dreht sich zu mir um und grinst: Schau Dir die Surfer an Sandra, bei so kalten Temperaturen im Wasser, das ist doch lebensmüde, oder?

„Ich glaube nicht viel lebensmüder als ich jeden Montag zu Mittagszeit“ japse ich und finde den Gedanken an kaltes Wasser tatsächlich wenig störend.

 

Dienstag, 27. März

Sebastian ist wieder unter den Lebenden. Zumindest so ein bisschen, denn er schleicht ab und an durch die Wohnung. Und er hustet dabei, und schnupft. Panisch reiße ich aller Nase lang die Fenster auf, wechsele Bettbezüge und presse kiloweise Zitronen aus. Trotzdem habe ich das Gefühl mein Hals kratzt. Daher Ruhe.

 

Mittwoch, 28. März

Ok. Der Hals kratzt mehr. Außerdem ist mir schnell warm. Ab in die Apotheke. Ich darf nicht krank werden. Nein, nein, nein. Nur noch zehn Tage. Wuuuzzzzzaaaa, Ommmm… alles wird gut. Fünfundsiebzig (!) Euro ärmer aber mit beruhigtem Gewissen hinterlasse ich eine glückliche Apothekerin. Der Tag steht im Zeichen von Immun Kuren und homöopathischen Wässerchen.

 

Donnerstag, 29. März

Viel hilft halt doch viel 😉 Mir geht es etwas besser. Dennoch bin ich vorsichtig (oder auch einfach nur vernünftig?! Nein, das wäre langweilig – nennen wir es vorsichtig!) und mache nur eine EMS (elektrisches Maso-Sado) Einheit anstatt der zwei aufeinanderfolgenden.

Diesmal stehe ich also für 25 Minuten auf dem Stepper und werde angeleitet 1:1 Minutenintervalle in der Hocke zu machen. Iiiirrrxxx, ich sage Euch – das Immunzeugs muss richtig gut sein, so wie ich schon wieder fluchen konnte 😀

 

Freitag 30.04

Eigentlich war ein Get-Away über Ostern geplant. In den Bergen. Und das machen wir natürlich trotzdem. Sebastian geht es ja auch nach einer Woche Antibiotika wieder gut und ich bin einfach ein Pre-Wettkampf-Hypochonder…

dennoch haben wir die einst angedachten „Trainings-Hammer-Touren“ auf Weichspülversionen geändert.

So ging es in Bayrischzell den Wendelstein hoch. Zum ersten Mal seit langem hatten wir Sonne, ja wahres Kaiserwetter. Der Weg nach oben war durch angetauten Schnee etwas beschwerlicher als vermutet, aber wunderschön. So macht weichspülen Spaß.

…Was allerdings keinen Spaß macht sind übervölkerte Gipfel. Leute, ich sag Euch. Unfassbar was auf diesem Wendelstein los war. Die Gondeltouristen saßen in der Sonne, schossen Gipfelselfies, rauchten, aßen Currywurst und tranken Bier. :-O

 

Vielleicht bin ich ein Alm-Öhi geworden oder einfach nur von den vielen, einsamen Gipfeln, die wir im Winter erklommen haben, verwöhnt. Aber die Winterschlussverkaufsatmosphäre auf der Wendelsteinplatte ließ uns den schnellsten Weg nach unten nehmen – und das war die schwarze Skipiste. Holá die Waldfee; was ein Spaß. Das Kind in mir hat vor Freude wahrlich gequiekt.

Anstelle des Betthupferls gibt es nun bis nächsten Sonntag jeden Abend ein Immunkurfläschchen. Warum und wieso, das schreibe ich Euch im kommenden Eintrag 😉

 

Bis dahin: Happy Training und bleibt’s gesund!

Eure Sandra